Was, wenn beim Rückversand etwas schiefgeht?

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Im vergangenen Tipp der Woche haben wir Ihnen gezeigt, wer beim Versand zum Verbraucher für Transportverluste und Beschädigungen haftet. Heute schauen wir uns den Rückversand an. Wer ist verantwortlich, dass das Paket heil bei Ihnen ankommt? Gibt es Unterschiede zwischen Rücksendungen im Rahmen des Widerrufsrechts und im Rahmen der Gewährleistungsrechte? Und wie verhält sich das bei der Abholung von Speditionsware? Diese Fragen beantworten wir in unserem Tipp der Woche.

Bestehen Unterschiede beim Gewährleistungsrecht und beim Widerrufsrecht?

Nein. Grundsätzlich sind beim Gewährleistungsrecht und beim Widerrufsrecht die Transportrisiken von Ihnen zu tragen. Es ist also zunächst egal, ob der Verbraucher Nacherfüllung verlangt, im Rahmen des Gewährleistungsrechts vom Vertrag zurücktritt oder den Vertrag widerruft: In jedem Fall tragen Sie als Händler die Transportgefahr.

Das Paket ist verschwunden

Wenn ein Paket auf dem Transportweg verschwindet und der Verbraucher sich darauf beruft, er habe das Paket dem Transportdienstleister seiner Wahl übergeben, so muss der Verbraucher diesen Umstand beweisen. Nicht abschließend geklärt ist, ob hierfür die Bestätigung des Transportdienstleister genügt, dass ein Paket abgesendet wurde oder ob der Verbraucher weitergehend beweisen muss, dass er die konkrete Ware abgesendet hat, z.B. mit Hilfe eines Zeugen. Im Zweifel genügt jedoch der Einlieferungsbeleg des Transportdienstleisters.

 

 

Die Ware kommt beschädigt an

Wie ausgeführt tragen Sie als Händler grundsätzlich das Transportrisiko. Jedoch hat der Verbraucher die Pflicht, die Ware ordentlich zu verpacken. Wenn die Ware aufgrund einer mangelhaften Verpackung beschädigt wird, hat der Verbraucher seine Rücksichtnahmepflichten verletzt und ist Ihnen zum Schadensersatz verpflichtet. Allerdings müssen Sie beweisen, dass der Schaden in Folge der mangelhaften Verpackung entstanden ist.

Beispiel: Eine Verletzung der Rücksichtnahmepflichten wird regelmäßig dann vorliegen, wenn der Verbraucher eine Porzellanvase ohne jede Polsterung in ein Paket legt.

Was gilt, wenn Sie die Ware abholen?

Wenn Sie sich im Rahmen des Widerrufsrechts verpflichtet haben, die Ware beim Kunden abzuholen, müssen Sie dies fristgerecht tun. Ansonsten geraten Sie in Annahmeverzug, mit der Folge dass der Verbraucher im Falle des Verlustes oder der Beschädigung der Ware nur noch für grobe Fahrlässigkeit und Vorsatz haftet. Wenn der Verbraucher also zum Beispiel die Ware leicht fahrlässig beschädigt, wenn Sie sich im Annahmeverzug befinden, haftet er nicht für den Schaden.

Unser TIPP:

Auch beim Rückversand tragen grundsätzlich Sie als Händler die Transportgefahr. Der Verbraucher ist jedoch verpflichtet, Retouren ordentlich zu verpacken. Wenn durch mangelhafte Verpackung Schäden entstehen sollten, empfehlen wir Ihnen, die Verpackung und die Beschädigungen sauber zu dokumentieren, um diesen Umstand auch beweisen zu können. Bei Abholungen im Rahmen des Widerrufsrechts sollten Sie darauf achten, nicht in Annahmeverzug zu geraten.

Über den Autor

autor_frieder_schelleFrieder Schelle ist Wirtschaftsjurist und seit 2011 für Trusted Shops im Bereich Audit and Legal tätig. Er war verantwortlich für die Entwicklung rechtlicher Dokumente im Rahmen der Auditierung Schweizer Onlineshops und für die Betreuung deutscher und britischer Shops im Auditprozess. Seit 2014 ist Frieder im Bereich Legal Expert Services als Consultant tätig und betreut Rechtsberatungsprojekte und die Trusted Shops Abmahnschutzpakete. Frieder Schelle beschäftigt sich seit 2008 intensiv mit den Themenfeldern Wettbewerbs- und Medienrecht.

 

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Kommentare

Aus dem 2. Absatz: "Im Zweifel genügt jedoch der Einlieferungsbeleg des Transportdienstleisters." Ich gehe davon aus, das damit nicht nur die 4,50 Euro-Quittung für den Versand eines Päckchens gemeint ist, sondern aus dem Einlieferungsbeleg auch eine Trackingnummer hervorgehen muß? Kunden verwechseln das leicht....

Von H. Menneken | 02.11.2016 08:50

Hallo Herr Menneken, vielen Dank für Ihre Frage. Eine einfache Quittung für ein aufgegebenes Paket ohne eine Trackingnummer genügt wohl nicht als Beleg. Diese Detailfrage ist jedoch nicht abschließend geklärt. Im Zweifel gilt der Grundsatz, dass der Kunde die Absendung des Pakets an Sie beweisen muss und hier bezweifle ich, dass eine Quittung ohne konkreten Paketbezug ausreichend ist. Beste Grüße Frieder Schelle

Von Frieder Schelle | 17.11.2016 16:12

Leider wurde auf die Speditionsware nur in der Einleitung eingegangen ...

Von Marcel Petzke | 02.11.2016 15:25

Sehr geehrter Herr Petzke, vielen Dank für Ihre Anmerkung. Sie haben Recht: Auf die Spedition wurde nicht mehr explizit eingegangen. Wenn der Kunde die Spedition selbst in Auftrag gibt, gelten die normalen Grundsätze der Rücksendung, das heißt, der Kunde muss die Absendung der Ware beweisen, die Transportgefahr trägt jedoch der Händler. Wenn Sie die Spedition organisieren tragen Sie die Transportgefahr und müssen zusätzlich dafür Sorge tragen, dass die Ware zum vereinbarten Termin abgeholt wird, da Sie sonst in Annahmeverzug geraten. Beste Grüße, Frieder Schelle

Von Frieder Schelle | 17.11.2016 16:19

Wer bezahlt in Falle einer Rücksendung die Versandkosten?

Von Erwin Entrich | 04.12.2017 12:18

Hallo Herr Entrich, vielen Dank für Ihre Frage. Das kommt ganz darauf an, aus welchem Anlass Ware zurückgesendet wird. Im Rahmen des Mängelhaftungsrechts trägt der Händler grundsätzlich die Kosten der Rücksendung. Im Rahmen des Widerrufsrechts können die Kosten der Rücksendung dem Verbraucher auferlegt werden. Einen Artikel zum Thema finden Sie hier: https://shop.trustedshops.com/de/rechtstipps/2016/01/21/tipp-der-woche-versandkosten-beim-widerruf-wer-zahlt-was Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen. Beste Grüße, Frieder Schelle

Von Frieder Schelle | 04.12.2017 16:00

Was hier glaube ich jeden Händler und vielleicht auch kunden brennend interessiert. Ein Kunde schickt die Ware in der Originalverpackung aber mit einem anderem Versanddienstleister zurück. Die Ware kommt absolut beschädigt bei der Warenannahme an. Der Händler trägt zwar das Transportrisiko aber wie genau ist das zu verstehen? Die Ware kann nicht mehr verkauft werden. Muß dem Kunden trotz komplett beschädigter Rücksendung der komplette Warenwert erstattet werden und wenn dem so ist wie und wo macht der Händler dann seinen Schaden geltend? Vielen Dank vorab.

Von Bachmann | 05.12.2017 14:06

Hallo und vielen Dank für Ihre Nachricht. Ja, dem Kunden muss der komplette Betrag erstattet werden, soweit der Kunde nicht durch mangelhafte Verpackung Beschädigungen verschuldet hat. Im Rahmen einer sogenannten Drittschadensliquidation können Händler den Schaden beim Transportdienstleister geltend machen. Wichtig ist hier, wie bei allen Schadensersatzforderungen, eine saubere Dokumentation des Schadens, sodass dieser auch bewiesen werden kann. Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen. Beste Grüße, Frieder Schelle

Von Frieder Schelle | 05.12.2017 17:28

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