Erfolgreich in den Niederlanden verkaufen: Darauf müssen Sie achten

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Die Niederlande können mehr als Käse, Grachten, Rembrandt, Deiche und Windmühlen. Sie sind häufig eine beliebte Erweiterung der eigenen Absatzmöglichkeiten des Online-Shops. Aufgrund vieler EU-weiten Regelungen sollte das größtenteils doch gleich sein, oder? Wir nennen Ihnen in diesem Beitrag interessante Fakten und wichtige Unterschiede für den rechtssicheren Verkauf in den Niederlanden.

 

Die spannendsten Fakten rund um den niederländischen E-Commerce

Unser Nachbarland, über das sich beim Fußball viele streiten mögen, kommt mit seinen 17,02 Mio. Einwohnern auf einen stolzen Umsatz von 22,5 Mrd. Euro im E-Commerce-Sektor.

Etwa 13,3 Mio. der Einwohner nutzen bereits die Vorzüge des Onlineshoppings. Über 78 % der über 15-Jährigen kaufen online ein. Bis zum Jahr 2022 wird ein Zuwachs von 440.000 Nutzern erwartet.

Eine der beliebtesten Zahlungsarten ist dabei iDEAL. Die meisten Pakete stellt PostNL zu.

Deutschland versorgt die Niederlande mit Importen – von Telefonen bis zu Computern – im Wert von 86,6 Mrd. USD. Weitere wichtige Importpartner sind China (57,4 Mrd. USD), Belgien (44,7 Mrd. USD), USA (39,7 Mrd. USD) und Russland (29,3 Mrd. USD).

Das sind die Top 5 der Online-Shops im Nachbarland:

  1. Bol.com
  2. Coolblue
  3. Wehkamp
  4. Zalando
  5. Albert Heijn

 

Rechtsgrundlagen für den Online-Verkauf

Dieser Bereich ist maßgeblich im Zivilgesetzbuch namens Burgerlijk Wetboek (BW) geregelt.

 

Vertragsschluss

Nach Art. 227c Abs. 1 Buch 6 BW ist bei elektronisch geschlossenen Verträgen ein zusätzlicher Schritt erforderlich. Das Angebot besteht darin, dass der Online-Händler seine Ware im Shop einstellt und zum Verkauf anbietet. Hat der Kunde im Online-Shop eine Bestellung ausgelöst, gilt dies als Annahme des Angebots. Daraufhin muss der Online-Händler die Annahme so schnell wie möglich bestätigen. Solange die Bestätigung ausbleibt, kann der Kunde den Vertrag auflösen. Erfolgt die Bestätigung zudem nicht schnellstmöglich, gilt dies als Ablehnung der Annahme, sodass in dem Fall dann letztlich kein Vertrag geschlossen wird.

 

AGB

Allgemeine Geschäftsbedingungen gelten nur dann, wenn diese vor Vertragsschluss für anwendbar erklärt und die Geschäftsbedingungen zur Verfügung gestellt wurden. Dafür sind im Bestellprozess etwa Formulierungen möglich wie „Diese Vereinbarung unterliegt unseren AGB“ oder „Zum Bestellen müssen Sie unseren AGB zustimmen“ – häufig wird aus Beweisgründen eine nichtvorangekreuzte Checkbox eingesetzt. Der Begriff "zur Verfügung gestellt" bedeutet, dass der Verbraucher die Allgemeinen Geschäftsbedingungen vor der Bestellung lesen und speichern können muss.

 

Cookies

In den Niederlanden ist es zwingend erforderlich, die Erlaubnis zum Setzen von nicht funktionellen Cookies (z. B. Tracking) einzuholen. Damit wurde die Cookie-Richtlinie anders als in Deutschland umgesetzt und im Telekommunikationsgesetz (telecommunicatiewet, TCW) verankert. Bevor Sie die Erlaubnis haben, dürfen Sie in Ihrem Shop nur funktionale und analytische Cookies setzen, die den Datenschutz nicht beeinträchtigen. Ein vager Satz in Ihren AGB oder Ihrer Datenschutzerklärung wie z. B. „Wenn Sie unsere Website besuchen, geben Sie automatisch Ihre Zustimmung zum Setzen von Cookies“ oder „Wenn Sie weiter auf unserer Website browsen, geben Sie automatisch Ihre Zustimmung zum Setzen von Cookies“ gilt nicht als Zustimmung. Die Autoriteit Consument & Markt (ACM) kontrolliert immer mal wieder Webseiten und ist befugt, Bußgelder bei unzureichenden oder fehlenden Cookie-Zustimmungen zu verhängen.

 

Gewährleistungsrecht

Nicht selten führt es in die Irre, dass sowohl das gesetzliche Gewährleistungsrecht als auch eine freiwillig angebotene Garantie jeweils „garantie“ heißen. Besonders ist auch, dass die Dauer des gesetzlichen Gewährleistungsrechts sich in den Niederlanden nach der voraussichtlichen und erwarteten Lebensdauer des Artikels richtet.

In den ersten sechs Monaten nach dem Kauf liegt die Beweislast beim Händler, der dann entsprechend nachweisen muss, dass der Mangel auf einem Fehler des Verbrauchers beruht. Kommen Sie dieser Beweispflicht nicht nach, gilt der Mangel als Herstellungsfehler. Nach Ablauf dieser sechs Monate liegt die Beweislast für den Produktionsfehler bei dem Verbraucher, um eine kostenlose Reparatur oder Ersatzleistung verlangen zu können.

Anders als in Deutschland unterscheidet die niederländische Regelung nicht nach Neu- und Gebrauchtware. Somit entfällt eine mögliche Verkürzung bei gebrauchter Ware.

Wird der Mangel innerhalb von zwei Monaten nach Entdeckung beanstandet, gilt dies noch als angemessen. Es besteht die Möglichkeit, eine Reklamation an einen Importeur, einen nationalen Hersteller oder Vorverkäufer in der Kette weiterzuleiten.

 

Zahlungsartgebühren

Derzeit darf der Online-Händler in den Niederlanden die Nutzung einer Zahlungsart in Rechnung stellen, solange nur die tatsächlichen Kosten berechnet werden, die bei ihm für das Anbieten dieser Zahlungsmethode entstehen.

Mit Inkrafttreten der zweiten Zahlungsdiensterichtlinie haben EU-Länder die Möglichkeit, den Zuschlag für einzelne oder alle Zahlungsarten zu verbieten. Derzeit macht der niederländische Gesetzgeber hiervon allerdings nicht für alle Zahlungsarten Gebrauch. Für Zahlungen mit Verbraucherdebitkarten (oder Geldkarten mit Maestro- und V-Pay-Logo) und Kreditkarten von Vierparteien-Systemen (z. B. VISA und MasterCard) dürfen keine Gebühren weitergegeben werden. Was Sie berechnen dürfen, sind Zuschläge für Dreiparteien-Kartensysteme, aber auch für AfterPay, Rechnungskauf und PayPal.

 

Keine Abmahnung

Das deutsche Recht sieht Strafen für Verbraucher, Wettbewerber, Gesetzgeber und Verbraucherorganisationen vor. Am häufigsten gehen Wettbewerber gegen einen Verstoß gegen die Informationspflichten als unlautere Geschäftspraktik vor.

In den Niederlanden hingegen ergreift ein Wettbewerber keine Maßnahme gegen einen solchen Verstoß – eine „Abmahnung gibt es nicht. Auf der Grundlage des Verbraucherschutzgesetzes (Wet handhaving consumentenbescherming, WHC) kann die ACM einen Unternehmer, der gegen eine Informationspflicht verstößt, ein Belastung oder eine Geldstrafe auferlegen. Das ACM handelt als Verwaltungsbehörde, die zentral in den Niederlanden organisiert ist und das Verbraucherrecht durch Verwaltungsrecht durchsetzen kann.

 

Transportrisiko im Widerrufsfall

Wie in Deutschland trägt der Online-Händler das Transportrisiko für die Hinsendung. Nach Art. 11 Buch 7 BW trägt der Verkäufer das Transportrisiko bei einem Verbrauchsgüterkauf, bei dem die Ware an den Käufer geliefert wird. Sobald der Verbraucher (oder ein Dritter, der nicht der Versanddienstleister und vom Verbraucher angegeben wurde) die Ware erhalten hat, geht das Risiko auf den Verbraucher über. Demnach liegt das Transportrisiko für die Rücksendung im Widerrufsfall in den Niederlanden, anders als in Deutschland, beim Verbraucher.

 

Handelsregister (Kamer van Koophandel, KvK)

Alle Unternehmen und juristische Personen müssen in den Niederlanden im KvK eingetragen sein. Dies gilt auch für Einzelunternehmer.

Nach niederländischem Recht haben Sie ein Unternehmen, wenn Sie selbstständig Waren oder Dienstleistungen mit einer Gewinnerzielungsabsicht an andere liefern.

 

Unser Tipp:

Sie sehen, so gleich sind sich der deutsche und der niederländische Markt nicht. Häufig reicht eine einfache Übersetzung der Rechtstexte nicht aus. Vielmehr sollten Sie auf den Zielmarkt abgestimmte Rechtstexte einsetzen, die die Ausrichtung berücksichtigen. Im Rahmen unseres Abmahnschutzpakets ENTERPRISE können wir Ihnen rechtskonforme Rechtstexte für den niederländischen Markt bieten. Auch ein Blick auf die rechtlichen Anforderungen und üblichen Gepflogenheiten des Marktes sowie eine Lokalisierung des Shops sind oft sinnvoll.

 

Whitepaper: Crossborder

 

Über den Autor

autor_rhode-benissanRhode Benissan Jonker machte seinen Abschluss als Privatjurist an der Universität Amsterdam, wo er seinen Master in Privatrecht absolvierte. Ab 2016 gründete er als selbständiger Unternehmer ein E-Commerce-Unternehmen und beschäftigte sich als freiberuflicher Rechtsanwalt mit Fragen des Verbraucherrechts. Seit September 2018 ist er als Rechtsexperte für die Niederlande bei der Trusted Shops GmbH tätig und verantwortet in dieser Funktion den niederländischen Markt und damit verbundene Rechtsfragen.

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